
Vielleicht beginnt Heilung damit, zuzuhören
Vielleicht beginnt Heilung damit, zuzuhören
Wenn Penetration schmerzt oder der Körper sich unwillkürlich anspannt, fragen Menschen mit Vagina uns oft als Erstes:
„Was stimmt nicht mit mir?“
Vielleicht dürfen wir diese Frage einmal loslassen.
Denn dein Körper macht nicht einfach „nicht mit“. Er versucht nicht, dir das Leben schwer zu machen. Und du hast auch nicht versagt.
Vielleicht lohnt es sich vielmehr, ganz neugierig hinzuschauen:
Was passiert da eigentlich in meinem Körper?
Wann beginnt die Anspannung?
Wann kommt der Schmerz?
Was geht mir in diesem Moment durch den Kopf?
Welche Situationen fühlen sich sicher an – und welche nicht?
Was tut mir gut?
Und was hilft meinem Körper dabei, wieder loszulassen?
Deshalb möchte ich den Vaginismus auch nicht als eine eindeutige „Botschaft“ verstehen, die wir nur entschlüsseln müssen.
Dabei geht es nicht darum, unbedingt eine verborgene psychische Ursache finden zu müssen. Nicht jeder Schmerz hat eine einzelne Erklärung. Unser Körper, unser Nervensystem, unser Beckenboden, unsere Erfahrungen, unsere Gedanken, Gefühle und die jeweilige Situation können sich gegenseitig beeinflussen.
Ich finde die Frage viel liebevoller:
„Was braucht mein Körper gerade, damit er sich sicher fühlen kann?“
Vielleicht braucht er mehr Zeit.
Vielleicht mehr Kontrolle.
Vielleicht weniger Druck.
Vielleicht andere Berührungen.
Vielleicht Wissen über das, was gerade passiert.
Vielleicht positive Erfahrungen, die nichts mit Penetration zu tun haben.
Und vielleicht darf Sexualität dabei ganz neu gedacht werden.
Nicht als etwas, das wir „wieder schaffen müssen“.
Nicht als Prüfung, die wir bestehen müssen.
Und schon gar nicht als etwas, bei dem wir unseren Körper überwinden müssen.
Sondern als etwas, das sich wieder sicher, selbstbestimmt, lustvoll und gut anfühlen darf.
Du musst deinen Körper nicht bekämpfen.
Du darfst anfangen, ihn kennenzulernen.
Du darfst seine Signale ernst nehmen.
Du darfst Grenzen haben.
Du darfst neugierig sein.
Du darfst Pausen machen.
Du darfst Lust empfinden, ohne dass Penetration das Ziel sein muss.
Und du darfst deinem Körper die Zeit geben, die er braucht.
Vielleicht ist genau das der erste Schritt:
nicht mehr gegen den eigenen Körper zu kämpfen, sondern langsam wieder Vertrauen mit ihm aufzubauen.
– Katha
